Ich rettete Eheringe, Zahnspangen und Smartphones in meiner über 20jährigen Laufbahn. Dass mich jedoch ein einfaches Kennzeichen, welches im Wasser auf einen Feldweg vermisst wird (ja, es liegt noch dort), an die Grenzen des Machbaren bringt, war mir neu. Zumal in früheren Zeiten mit einfachen analogen Suchgeräten, wie beispielweise Tesoro-Metalldetektoren, Kennzeichen (Aluminium) immer signaltechnisch voll "durchknallten". Insider wissen, wenn ich sagte: "Caprisonnen-Effekt". Dieser Fall hingegen beweist einmal wieder, dass die neue schöne digitale Detektorwelt auch ihre Schattenseiten hat. Klar, die neuen Geräte sind schnell, nutzen viele Töne und verfügen über eine tolle Leitwertanzeige. Nützliche Eigenschaften in wenig verschrotteten Bereichen, wenn man mit einen Bier locker in den Sonnenuntergang detektiert. Aber wehe, wenn es, wie hier, ins Eingemachte geht. Ein alter Feldweg, welcher auch gerne als Schrottplatz der Vergangenheit diente. Gefühlt hunderte Signale von Alteisen, starke Mineralisierung durch Black-Rock-Gestein und sehr viel Schlamm, welcher die Power eines Detektors um die Hälfte reduziert. Wer an solchen Orten keine Ohren hat, wie ein Profimusiker, kommt schnell an seine Grenzen. Jetzt aber zum Fall - Kennzeichen XY - ungelöst.
Als erster nahmen wir das noch vorhandene Kennzeichen ab, um es einzumessen. Der Detektor - Equinox 800. Der erste Schreck: Signalgebung wie eine Kronkorken, obwohl die Masse wesentlich größer ist. >Merkwürdig<. Trotz anderen Frequenzen und wenigen Tönen bliebt es bei -3 bis -6! Was partout keine Hilfe war, weil alles bereits vorhandene (Hufeisen, alte Scharniere) im "Loch" solche Signale abgaben. Also, altes, analoges Suchgerät aus dem Auto und schauen, was ein Suchgerät mit einer Frequenz, zwei Schaltern und einem Ton "sagt". Bingo! Bonge! Dieser Detektor lieferte wenigsten einen klaren und simplen Ton, trotz der Filtereinstellung 3! Tja, früher war alles besser! Also, ab in dem Tümpel. Mein Gehirn lief auf Hochtouren, um angesichts der vielen ähnlichen Signalgebungen, nicht durch durchzudrehen. Nach ca. 1 Stunde (ja, in ging ganz langsam) kam der erste brauchbare Hinweis im Untergrund. Pinpointer (Keines Suchgerät) reingehalten. Ein Gedanke: >Merkwürdig? Gutes Signal, aber zu tief<. Mit einem Stock wurde der steinige Untergrund aufgelockert und mit den Händen gefühlt! Ich spürte ein Stück von einem Kennzeichen, welches ich sofort rauszog. >Komisch<. Es war bereits gefaltet, total zerlöchert und verbogen! >Nach nur 10 Tagen?<, war einer meiner Gedanken beim Anblick. Der Auftraggeber schaute ebenfalls verdutzt, klappte das Kennzeichen auf, und sagte: "Lustig. Das Kennzeichen ist uralt und vom Trecker meines Vaters."
Ich kürze den Tag ab! Obwohl wir noch eine Stunde länger suchten, keine Spur vom richtigen Kennzeichen. Demotiviert gingen wir zu unseren Fahrzeugen zurück. Wir vereinbarten jedoch einen weiteren Termin, sobald das Wasser im Sommer weniger oder weg ist.
Nette Anekdote zum Ende: Der Auftraggeber drückte mir trotzdem den Finderlohn in die Hand! Als ich fragte, wofür der wäre, immerhin war ich erfolglos, sagte er: "Sie haben doch ein Kennzeichen gefunden - nur eben nicht das Richtige". Danke an dieser Stelle - meinerseits.
